Artikel wurde aktualisiert am 12.12.2017

Warum soziale Medien süchtig machen und das Risiko für Depressionen wächst?


Nicht nur der Hamburger Zukunftsforscher Opaschowski warnt insbesondere Jugendliche vor der Nutzung sozialer Medien. Er empfiehlt Ihnen sogar den Boykott. Wohlwissend, dass dies eher eine utopische Forderung ist, empfiehlt er den Jugendlichen und Erwachsenen zumindest eine “digitale Diät”. Nach Meinung des Erziehungswissenschaftlers sollte man konkret häufiger offline sein, um so wenigsten zeitweilig dem Erreichbarkeits- und Beschleunigungswahnsinn zu entkommen. Anstatt die persönliche Freizeit mit der exzessiven Nutzung sozialer Medien zu verschwenden, sollten stattdessen lieber echte Freundschaften abseits der Cyberwelt gepflegt werden.

Der Anlass des Appells von Opaschowski waren die selbstkritischen Äußerungen vom ehemaligen Facebook Präsidenten und Früh-Investor Sean Parker. In einem Interview mit US-Online-Portal “Axios” behauptete der Milliardär, dass es bei der Facebook Nutzung zu ganz “komischen” Auswirkungen auf die Gesellschaft und auch auf einzelne Personen kommen kann.

Dies hänge vor allem mit der Tatsache zusammen, dass Facebook absichtlich eine Plattform geschaffen hat, die süchtig macht. Das System nutzt systematisch eine Schwachstelle in der menschlichen Psyche aus. Den Facebook Gründern war bereits bei der Entwicklung der Plattform bewusst, damit Menschen möglichst viel Zeit auf der eigenen Plattform verbringen, müssen die User hin und wieder mit einer Art Dopamin-Stoß (Glückshormon) gefüttert werden. Das Glückshormon aktiviert nämlich das Belohnungssystem im Gehirn ähnlich wie beim Essen, Sex oder eben durch einen Facebook-Like, Kommentar etc. – Der Nutzer wird bei der Jagd nach neuen Klicks sozusagen in einer Endlosschleife gefangen.

Er gab in dem Gespräch offen und ehrlich zu, dass den Facebook Gründern Mark Zuckerberg, Kevin Systrom von Instagram und ihm selbst diese Gefahr auf die menschliche Psyche bereits 2004 klar war. Was Sean Parker jedoch jetzt sehr große Sorge bereitet: “Wenn ein soziales Netzwerk auf ein bis zwei Milliarden Nutzern anwächst, verändert es die Beziehungen zur Gesellschaft und zu anderen Menschen. Es beeinflusst wahrscheinlich auch die Produktivität auf komische Weise.”

Welche konkrete Auswirkungen das soziale Netzwerk auf Kinder hat, steht derzeit für Sean Parker überhaupt noch nicht fest, lässt aber mit der Aussage: “Nur Gott weiß, was es mit den Köpfen unser Kinder macht.” nichts gutes ahnen.

Täglich waren bei Facebook im III. Quartal durchschnittlich 1,37 Milliarden Nutzer aktiv. Monatlich waren es durchschnittlich 2,07 Milliarden aktive Nutzer.

Facebook erwirtschaftete im III. Quartal 2017 einen Umsatz von 10,3 Milliarden USD und einen reinen Nettogewinn von 4,7 Milliarden USD (Steuer sind in diesem Betrag schon abgezogen). Im III. Quartal 2017 betrug die effektive Steuerrate von Facebook dank zahlreicher Steueroptimierungsmodelle lediglich 10 Prozent.

 

Warum die Social-Media-Nutzung depressiv macht?


In der Theorie sind ja Soziale Netzwerke idealerweise dazu da, um Kontakte zu pflegen und schöne Momente mit Freunden, Bekannten zu teilen. Eine Studie von Kaspersky mit dem Titel “Cyber-Depression durch Social-Media-Nutzung” zeigt jedoch eine ganz andere Realität bei der Nutzung von Facebook, Instagram und Co. – Mehr als ein Viertel der Befragten aus Deutschland (27,3 Prozent) gaben an, dass sie sich wegen ihrer Socia-Media-Nutzung schon einmal niedergeschlagen fühlten und sogar neidisch darauf sind, wenn ihre Freunde mehr Likes bekommen als sie selbst. Auf der Jagd nach Likes und sozialer Anerkennung fühlen sich viele Nutzer der Plattformen unter Druck gesetzt. Bleiben die gewünschten Like-Erfolge aus, führt das schnell zur Frustration.

Schlechte Gefühle (27,3 Porzent), Like-Neid (27,1 Prozent) sowie Angst vor sozialer Isolation stehen bei Social-Media-Nutzern auf der Tagesordnung. Als belastend gaben die Befragten aus Deutschland mit 55,7 Prozent an, wenn Freundschaften in Sozialen Netzwerken gekündigt werden. Bei kritischen Kommentare zu eigenen Posts sieht es nicht viel besser aus. Hier gaben die Befragten mit 52 Prozent an darüber in einer schlechten Stimmung zu sein. Haben die Social-Media-Nutzer den Eindruck, dass ihre Freunde scheinbar ein besseres, schöneres Leben führen als sie selbst, kann sich knapp die Hälfte (48 Prozent) nicht mit ihren Freunden freuen. Noch schlimmer sieht es jedoch für die Nutzer 73,8 Prozent beim Stöbern ihrer eigenen Post aus der Vergangenheit aus. Hier ergibt sich oft das Gefühl, das frühere Leben sei scheinbar besser gewesen als heute.


Cyber-Depression durch Social-Media-Nutzung – Studie 2017 – PDF – Quelle: Kaspersky


Prof. Dr. Horst W. Opaschowski
Geboren: 1941
Leben (Quelle: Wikipedia): Nach dem Studium an den Universitäten Bonn und Köln wurde er 1968 mit einer Arbeit über die sozialen Folgen der Tourismusentwicklung promoviert. 1973 entwickelte er im Auftrag der Bundesregierung eine freizeitpolitische Konzeption. Von 1975 bis 2006 war er Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. 1979 gründete er das BAT Freizeit-Forschungsinstitut, dessen Leiter er bis 2007 war. 2007 wurde das BAT Freizeit-Forschungsinstitut in die Stiftung für Zukunftsfragen umgewandelt, deren Wissenschaftlicher Leiter Opaschowski bis Ende 2010 war. Seit 2011 arbeitet er als Zukunftswissenschaftler, Publizist und Berater für Wirtschaft und Politik. Seine Themenschwerpunkte liegen im Bereich der Gesellschafts- und Zukunftsforschung.

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